Wischvisionen

Der Wischmopp wischt,
es fegt
der Besen
nicht
von allein, so'n shit.
Nur wenn man sich selber regt
damit.
Sie beide durch die Wohnung trägt,
über den Boden schleift,
auf Rückensteife pfeift.
Vorteile, klar:
Man wird a) fit
und b) kein Unkraut reift
auf dem Parkett
und in den Ritzen.
Ja, dafür lohnt das Schwitzen.

Sieh an, da ist noch etwas Mett,
das mir  vorletztens roh
aus meiner Pfanne sprang,
entkam so
der Soße, die ansonsten gut gelang.

Zisch-wisch, schaut, wie ich mühelos,
die Essensreste in die Brühe stoß.
Wisch-wasch, ich lass
das graue Fleisch ins graue Nass
zu Krümeln, Kies und Wollemäusen,
Folie von Nikoläusen,
deren Schoko ich in der Saison
versehentlich ins Kissen rieb
und sitzend in die Fasern trieb
von dem Chaisse-Longue.

Ach, kuck, da in der Ecke,
Rotweinflecke
und Scherben von dem Glas,
das ich nach mir selber warf
im Spaß,
weil keiner da ist bei Bedarf.
Ich hab mich leider nicht getroffen.
Entschuldigung: Ich war besoffen.

Der Wischmopp wischt auch die Erinnerung
mit faserig-feuchtem Schwung
ab in den Eimer,
wo sie mit Milben, Staub und Mittagessen
zu Boden sinken, ins Vergessen.
Nur die Schamhaare schwimmen oben.
Jetzt muss ich mich mal selber loben:
Mann, ich bin ein toller Reimer.

Epilog:
Nachdem man wischend durch die Wohnung zog
Blickt man sich müde um und denkt: Warum?
Die Antwort, klingeling, gibt´s, wenn Besuch erscheint.
Einer mit Brüsten,
zur Befriedigung von Lüsten.
Der meint:
Hach, schön ist deine Wohnung.
Man trinkt, man lacht, man weint
bevor man sich im Bett vereint.
Sozusagen als Belohnung.
Doch oft muss man dann hinterher schon wieder Wischen.
Nur diesmal in den Körpernischen.
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