Hallo, guten Tag, guten Abend, guten Morgen. Herzlich Willkommen im „Institut für Putzpoesie“ hier in ihrem Internet.

Ich bin im besten Sinne ein Möchtegern-Dichter. Ich möchte gerne dichten, ja, ein Dichter sein. Zum einen, weil mich der Umgang mit Sprache erfüllt, und zwar ganz besonders jener, der sich nicht in die Großform flüchtet und das unkonzentrierte Schlingern als Mäandrieren tarnt, sondern jener, der die Aufmerksamkeit des Lesers nicht übermäßig beansprucht – als Akt der Höflichkeit, denn wir wollen ja bekanntlich alle ins Bett. Zudem ist das Dichten in unserer Ära eine Tätigkeit, der eher wenig Beachtung geschenkt wird, jedenfalls, wenn man’s mit der Praxis der Juroren in Promitanzwettbewerben, Virologenkönigen oder anderer Superstars vergleicht.

Der Dichter (ich) dichtet im Geheimen, auf dem Display seines Handys, in der S-Bahn, und wenn’s gut läuft, verpasst er den Ausstieg an der richtigen Haltestelle. Klar, man kann auch in der Einsiedelei glücklich sein, aber noch schöner ist’s, ein Publikum zu haben, ein Gegenüber, einen Partner in Crime.
Das ist für mich mein Jürgen, den ich seit Jahrzehnten kenne und lieb habe. Er ist meinem Dichter-Ich genug, als Anstoß, Spiegel, Dominostein, als Yin, Yang, Retter, Reiter oder Rächer. Aber wir führen eine offene Dichter-Ehe; Fühlen Sie sich, lieber Gast, bei uns zuhause, lassen Sie sich von Jürgen seine Banane kredenzen, von uns an die Wursttheke führen und den Bart kraulen.

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Wie es zum Stimulus kam:

Februar 2018. Ich will mir meinen Lieblingssmoothie schreddern. Ein Apfel, eine Möhre, ein Stück Ingwer, 4 – 5 Löffel Naturjoghurt, 3 Löffel Vollkorn-Flocken, etwas Vanilleextrakt, ein Löffel Ahornsirup und… eine Banane. Erst gestern hatte ich sie gemeinsam mit vier ihrer, warum auch immer gekrümmten Sortengenossen aus dem Supermarkt nach Hause getragen. Ihre hellgelbe Schale signalisierte mir Frische, Vitamine und Calcium und somit Gesundheit.
Doch was ich nun an den Fingerspitzen aus meinem Obstkorb hebe, ist ein dunkelbraunes wabbriges Penissymbol, das mich brutal daran erinnert, dass wir ja alle irgendwann mal alt werden…  Nun hat sich das gemeine Schimpansenwissen über Bananen ja auch schon bis zu mir rumgesprochen und ich weiß, dass dieser Schalenzustand dem Geschmack der Banane null schadet. Im Gegenteil. Also, rein damit in den Mixer und Turbo anwerfen. Ohne Schale natürlich. Lecker ist es und doch bin ich verärgert.
In Ermangelung einer Ehefrau, die man mit falschen Vorwürfen malträtieren könnte, um den Ärger zu verarbeiten, greife ich zum Laptop und schreibe stattdessen ein vorwurfsvolles Gedicht. In erweiterter Ermangelung einer Ehefrau, die einen dafür loben könnte, werfe ich das Ding meinen 1045 Facebook-Freunden zum Fraß vor. Knapp 23 Likes und 10 Minuten später ruft Wigald an und unterbreitet mir seine famose Idee des Dichterwettstreits. Jede Woche ein anderes Thema, das wir im Wechsel vorgeben. Begeisterung pur meinerseits.
Welch eine Freude. Hier können wir unserer gemeinsamen Liebe zum Wort ganz ohne TV-Zaumzeug endlich wieder freien Lauf lassen.

Der Stimulus, mit dem alles begann heißt übrigens „Das Ex-Bananenmahl“.

Zum Lesen bitte die Banane klicken.

Warum nun das „Institut für Putzpoesie“?

Eigentlich diente unser kleiner Dichtwettstreit ursprünglich dem privaten Amusement. Ein kleines nebenbei Wort-Amuse-Geule zwischen Frühstücksfernsehen und abendlichem TV-Mega-Event sollte es sein. Doch nun haben wir uns lange genug gegenseitig auf die Schulter geklopft. Jetzt geht’s ans Eingemachte und somit an die Öffentlichkeit. Ein erster Test in Form einer Lesung in der entzückenden Galerie „Kleine Affäre“ im nordrhein-westfälischen Hattingen ermutigte uns, den nächsten Schritt zu machen.
In unserem frisch gegründeten „Institut für Putzpoesie“ wird ab sofort online putzpoetisiert.
Hier finden Sie Reime über den Alltag für den Alltag. Die Themenliste natürlich auch sporadisch erweitert denn unser hehres Ziel ist es, dem Volk der Dichter und Denker hiermit das Dichten und Denken wieder näher zu bringen. Natürlich auch bald wieder live… so Corona es zulässt.
So lange können Sie vollkommen gefahrlos diesen Button da unten klicken und sich an unseren Worten erfreuen.

Herzlichst,

Wigald Boning  & Jürgen Urig