Wigalds Tagebuch

Wendler Au, Wai.

Der Wendler. Meine erste (und einzige) Begegnung mit ihm war bei einer SAT1-Tanzshow vor zehn (?) Jahren. Ich war Juror, gemeinsam mit Joko Winterscheidt und Desirée Nick, und ich kannte im Grunde alle Kandidaten – nur einen nicht, nämlich den Wendler. Und genau dies sagte ich auch so in der Show, woraufhin sich Winterscheidt schlapp lachte, und das Publikum ebenso. Ich war überrascht, dass offenbar alle anderen wussten, wer dieser Wendler war, nur ich nicht, und fügte schnell hinzu, dass meine Unkenntnis sicher gegen mich sprechen würde, offenkundig hätte ich ja eine Bildungslücke.

Inzwischen weiß ich natürlich einiges über ihn, aber wirklich schlau bin ich aus ihm nie geworden. Vor allem habe ich nie begriffen, was die Leute an ihm faszinierend finden.

An jenem Video, mit dem er sich als DSDS-Juror verabschiedet, faszinieren mich höchstens zwei Aspekte: Einerseits gewisse sprachliche und inhaltliche Eigentümlichkeiten („Grundgesetz und Verfassung“), die mich annehmen lassen, dass er nicht im Vollbesitz seiner geistigen Spannkraft ist. Und dann ist da dieses lieblose Ablesen, das Mitfünfziger wie mich an jene RAF-Botschaften erinnert, die von ihren Geiseln im deutschen Herbst auf Video 2000- Kassetten gesprochen wurden, unter Zwang. Keine Frage, wir haben wieder einen deutschen Herbst, die Horrormeldungen jagen sich, alle Welt diskutiert sogenannte Verschwörungstheorien, und wahrscheinlich hiervon angeregt mutmaße ich, dass der Wendler nicht freiwillig handelt, sondern durch mysteriöse fremde Mächte mit Scopolamin oder ähnlichen Drogen willfährig gemacht wurde.

Wer also steht hinter der „Selfie“-Kamera? Xavier Naidoo? Hiltmann persönlich? Russia Today? Die Macher des Telegram-Massengers? Dieter Bohlen? Womöglich scheint auch mit dem Stuhl bei DSDS irgendwas nicht zu stimmen. Nicht auszuschließen, dass er mit einem überlagertem Holzschutzmittel präpariert ist, das dem Besitzer den Verstand raubt. Als zuständiger Staatsanwalt würde ich den Stuhl mal genau unter die Lupe nehmen lassen, denn der Wendler trat ja in die Gesäßstapfen von Naidoo; DSDS wird immer mehr zum Sprungbrett für singende Volkstribune (allerdings ist das Wasser unter diesem Sprungbrett extrem seicht, also Obacht).

Auch Teresa sang gestern, und zwar in der Kirche St. Jakobus in Feldkirchen und erfuhr, dass die Mitglieder der dortigen Kirchengemeinde statt Handschlag, Ellenbogen oder Rapperfaust zum Hallo den Wai einsetzen, die Gruß- und Dankesgeste der Thais. Endlich eine „echte“, überzeugende Alternative mit großer Geschichte, nicht „Invention of Tradition“. Aber: Als „Clever“ in Thailand lief und ich in dortigen Unterhaltungsshows zu Gast war, lernte ich 1001 Methoden kennen, sich mit dem Wai (falsch ausgeführt) zu blamieren. Wenn man zB Kinder so grüßt, leben diese sieben Jahre weniger.

Auch „Gebt Euch ein Zeichen des Friedens“ wird in Feldkirchen mit dem Wai realisiert.

Wai – ich bin dabei.

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4 Antworten

  1. Moin, mir tut der Wendler irgendwie leid…. vielleicht ist an Deiner Vermutung mit dem Stuhl etwas dran, also Vorsicht, wenn er Dir angeboten wird.
    Schüchterne Frage, wie kann ich mir hier ein Profilphoto verpassen? So grau wie dargestellt bin ich nämlich noch nicht.

  2. Guten Morgen Wigald☺️Ich bin ja die erste heute morgen. Ja, der Wendler, der die Heimatstadt meiner Kinder die dort in Dinslaken, bis auf das Kleinste, geboren wurden, in einem immer peinlichsten Glanze zum Fremdschämen erstrahlen lässt. Das du ihn erst nicht kanntest, ist nicht schlimm, man muss ihn nicht kennen. Irgendwann kennt man ihn, das ist schlimm genug. Wünsche dir und Teresa noch einen schönen Tag 💐

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