Wigalds Tagebuch

The greatest Arztroman ever

Willkommen in meinem neuen, möglichst post-coronäischen Tagebuch, das sich allerdings auch in diesem virtuellen Gewölbekeller noch ein Weilchen mit dem Gruselhusten befassen wird, watt willste machen.

Was in der Zwischenzeit passiert ist: Donald Trump hat sich infiziert (was ich natürlich lustig fand: Kaum steige ich bei Facebook aus, holt sich der Trotzkopf im weißen Haus einen blauen Schein).

Ich erwartete den „grössten Arztroman aller Zeiten“ mit Irrungen, Wirrungen, hatte erwartet, dass Trump die Haare ausfallen, er ein Techtelmechtel mit der Oberschwester beginnt, dass Melania ihren Gatten per Handauflegen heilt und/oder der eine Körpertemperatur von 45 Grad twittert, aber es kam anders. Schon gestern meldete er sich zurück zum Dienst, ließ sich zuvor eine Runde im vollverglasten Hummer ausreiten und präsentierte sich als Schnellgesunder – beim ihm verabreichten Medikamentencocktail wahrscheinlich zwangsläufig, sofern die Nebenwirkungen des alchemistischen Trump Medi-Nite („Pussy Foot“) nicht zum sofortigen Multi-Organ-Versagen führen.

Vor einiger Zeit las ich ein spannendes Buch, „Der schwimmende Souverän“, das sich mit Staatsmännern beschäftigte, die gerne öffentlich schwimmen gehen/gingen, etwa Mao Tse-Tung oder Beppe Grillo. Eine These des Autors: Alle eifern sie Karl dem Großen nach, der seine Pfalz hauptsächlich deswegen nach Aachen verlegte, weil es dort ganzjährig warmes Quellwasser gab, mit dem er monumentale Schwimmbecken füllte. Täglich hielt er schwimmend Hof, immer begleitet von seinen entrüsteten Rittern (knapp 100, meine ich mich zu erinnern).

Der schwimmende wird in diesen Tagen vom hustenden Souverän abgelöst. Wer auf sich hält, bellt. Nur die harten kommen in den Garten, Bolsonaro, Boris, Berlusconi oder eben Survival-Donald, während die Vertreter des modrig-morschen liberalen Pluralismus (Merkel, Von der Leyen) symptomfrei in Quarantäne müssen. Derlei Sperenzchen hat ein Trump nicht nötig. Die Haxen noch nass vom Wadenwickel, hustet, äh, winkt er seinen Fans zu, die das Aerosol ihres Helden inbrünstig zur Brust nehmen würden, wenn da nicht die geschlossene Wagenscheibe wäre.

Innerdeutsche Reisebeschränkungen werden neu diskutiert, nachdem Berlin-Mitte in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein nicht mehr willkommen ist. Der Trend zum Klein-Klein (immer mit Bindestrich) setzt sich fort. Vom Kreis über den Stadtbezirk zum Straßenzug. Weiter zur Straßenseite, zum Einzelhaus, zur Etage. Schlagbäume im Treppenhaus, der Dachboden ist Risikogebiet, die Bettstatt links der Besucherritze (hinter Plexiglas).

Russia Today behauptet bei Instagram, Tommy Krappweis‘ Twitch-Kanal werde von Merkel bezahlt, und die Beteiligten träfen sich zum Livestream, weil es „verschiedene Auffassungen über Körperhygiene“ gebe. Eine schöne Ehrung.

Abends ungläubig den Film bestaunt, mit dem Trump seine Rückkehr ins weiße Haus illustrierte. Speziell die unterlegte Musik ist gar zu süffig, man wähnt sich in einer platten Satire. Natürlich gibt es viele, die sich ärgern, dass Trump offenbar mit hellblauem Auge davonkommt. Aber, merke: Das Virus straft niemanden, zwinkert niemandem zu; unsere Händel, unsere Antipathien, unsere Glanztaten sind ihm völlig egal.

Kenzo Takada stirbt, Trump nicht – bei diesen Aufrechnungen gilt es zu berücksichtigen, wie unerheblich doch in Wirklichkeit ein paar Wimpernschläge mehr oder weniger sind, jedenfalls im subkosmischen Zusammenhang. Höchstens zählt, dass man überhaupt mal husten, hadern, sterben durfte – damit zählt man zur Elite jener Molekularstrukturen, die man gemeinhin mit Leben in Verbindung bringt. Ein Privileg! Zum Vergleich: Steine sterben nicht, sie erodieren bzw werden zu Gehwegen oder Colliers verarbeitet. Ist das besser?

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18 Antworten

  1. hallo wigald…wie schon im fatzlbuach😅 geschrieben, finde ich es wunderbar, dass du deinen gedanken freien lauf laesst, und sie nicht in einem kellerloch vergraebst.

    also lass die feder, in diesem zeitalter halt die tastatur, die verlaengerung deiner gedanken und sinne sein

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