Wigalds Tagebuch

Schwielen an der Bohrhand

MVs Innenminister Lorenz Caffier tritt zurück, weil er von einem Neo-Nazi eine Pistole erwarb, und 0:6 verliert Deutschlands Fußballnationalmannschaft gegen Spanien – für jeden Platz in der Revolver-Trommel ein Treffer.

Ich habe das Spiel nicht gesehen, meine das Echo der Schüsse jedoch in meiner morgendlichen Twitter-Timeline zu erlauschen. Übel gelaunt, schlägt ein jeder auf Freund und Feind ein. Leider kapiere ich diese Twitter-Konflikte nur selten, weil ich in der Regel den Ursprungs-Tweet verpasse. Um immer auf der Höhe zu sein, müsste man sich erstmal von der Familie trennen und alle Arbeit aufgeben, um stattdessen pausenlos aufs Display stieren zu können. Irgendwas sollte Christian Drosten offenbar für die BILD erledigen, sagte dann ab. Jan Fleischhauer äfft daraufhin Drostens Absage-Tweed nach, Beisenherz findet daraufhin Drostens Umgang mit dem Boulevard unsouverän, was dazu führt, dass dessen Follower Beisenherz in die Waden beißen. Mir fällt dazu lediglich ein, dass ich mit dem damaligen Bild-Chef Manfred Meier (hieß der so?) per Handschlag vereinbart habe, dass die Bild nie wieder über mich schreibt, weder positiv noch negativ. Muss ca 1997 gewesen sein, und der Abmachung war ein Streit vorausgegangen, über Fotos auf der Premiere des Puppenkistenfilms mit Lauren Hutton in Augsburg. Aber ich bin ja nur der kleine Wigald und kein Vollgott in weiß.

Jetzt kommen noch ein paar einzelne Auftritte, dann ist Weihnachten. Erstmal „Die letzte Instanz“. Die vier zur redaktionellen Vorbereitung abgefragten Themen kann ich schnell mit meiner Meinung versehen, wobei ich in einem Fall schwanke und in einem anderen Fall auch eigenen Interessen folge, was vielleicht aber ja völlig legitim ist. Kurzer Abgleich mit Teresa: Sie sieht alles wie ich, aber ohne Schwanken und Wackeln. Manchmal amüsiert mich der altväterliche Konservatismus meiner Frau, ihres Zeichens Altgriechisch-Nerd, wobei der Begriff „Bewunderung“ besser passt, weil da ja auch das Sich-Wundern drinsteckt.

Mathilda stand gestern zweimal. Souverän drückte sie sich aus der Hocke nach oben und ließ sich von allen Umstehenden beklatschen. Es geht aufwärts.

Das Tagebuch fällt mir von Tag zu Tag schwerer. Mir ist, als bohre ich mich durch eine monumentale Bleiplatte. Ja, da lassen sich spiralische Späne aushobeln, aber der Prozess ist mühsam, die graue Platte meterdick. Die Welt dahinter ist nicht weniger anthrazitisch. Woher ich das weiß? Man kann ganz mühelos um den Block herumgehen und einen Blick auf die anschließenden Fluren werfen, woraufhin man sich natürlich fragt, was die Bohrerei überhaupt bringen soll. Meine Hände sind schon ganz rissig und haben Hornhaut in der Griffzone, so wie bei den Skilangläufern. Die Uschi Disl der schriftlichen Nabelschau. Werde demnächst einen poetischeren Ansatz wählen, um mich zu erfrischen und meine Hände zu entlasten.

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2 Antworten

  1. Ja, daß es Dir zunehmend schwerer vom Griffel rollt, jedes Wort, meinte ich schon zwischen den Zeilen zu erahnen.
    Ist wohl ein bisschen wie mit dem streaken: ab+zu mal kann ja jede(r), aber täglich 😳
    Das 0:6 hab ich nur sekündlich verfolgt, in Werbepausen bei 0:1 und 0:4. Beim ersten Mal war ich verwundert ob der Akkustik, hatte noch kein Coronaspiel gesehen, alles schallte so über den Platz, was gerufen wurde 🤔 ist das immer so?
    Lasst Euch nicht unterkriegen, ich muss jetzt mal raus in den Wald 💚🍀

  2. Moin Wigald ☺️

    Solche Diskussionen kenne ich aus dem Netz 😂🙈 Ein jeder schlägt auf den anderen ein, mit ein wenig Vorstellungskraft hat man es sogar vor Augen. Die interessante Frage für mich ist immer, ob das in der Realität auch so ablaufen würde. 🙈Das Spiel hab ich gestern gesehen, für mich wird ein entscheidender Aspekt vergessen, eigentlich wäre es sogar ein 0:7 gewesen. Wenn das Tor kein Abseits gewesen wäre. War schon traurig 😢. Aber soll der DFB ohne Mitleid seine Wunden lecken, aber die Niederlage haben ob sie sich selbst zuzuschreiben. Ein Bundestrainer, der die Mannschaft als Talentzirkus benutzt, gute Spieler wie Müller und Lewandowski einfach aus der Mannschaft schmeißt, gehört entlassen. Punkt. Das ist Fakt.
    Ein anderer Punkt der mich seit gestern wieder beunruhigt und da du ja im Süden Deutschlands wohnst, müsstest es eigentlich auch wissen. Aber Jens Spahn soll nun darüber entscheiden, ob Kinder nun bei Corona, wenn Eltern die Quarantäne angeblich nicht vernünftig gewährleisten, die Jugendämter Kinder in Obhut nehmen dürfen. Zur Not soll das Familiengericht entscheiden. Eltern in Süddeutschland haben wohl Berichten entsprechende Drohbriefe von Der Behörde erhalten. Die Berichte sind von November 2020. Ich habe auch eine andere Zeitungsquelle, nicht das du denkst, wenn du das gehört hast, ich hätte es nur von RTL. Mit RTL geht es mir mittlerweile wie Dir mit der Bild-Zeitung.
    Herzlichen Glückwunsch zu Mathildas Fortschritten. ❤️ Immer schön zu sehen, wie Kinder sich entwickeln ❤️auch wenn oft mit einem lachenden Auge und einem weinenden Auge ist. Weil Kinder die Eigenart haben, sehr schnell gross zu werden.

    Wünsche dir und Teresa noch einen schönen Tag 💐

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