Wigalds Tagebuch

Mein Hut, der hat drei Ecken

Die können machen, was sie wollen. Amerika wird für mich auch weiterhin das Land von Thelonious Monk und Emily Dickinson sein. In Amerika ist halt alles eine Nummer größer als bei uns: Die Leute sind eine Nummer dicker oder eben sportlicher, die Sandwiches höher, die Trucks länger, die Ungebildeten ungebildeter und die Top-Unis topper. Die Kennedys hatten noch mehr Glamour als die Schröders, und Trump ist eben ein Sonderfall, noch sonderlicher als die Westentaschenpopulisten von der AfD. Was bei uns aber keiner wahrhaben will: Die Trumpfans finden, dass ihr Held abgeliefert hat. It’s the economy, stupid. Und dass er intelligent ist und nicht nur bauernschlau, wie ich selber immer wieder behauptete, würde ich inzwischen auch nicht mehr bestreiten. Ein Simpel würde womöglich gewählt, niemals jedoch wiedergewählt werden. Aber Corona?! – mag man einwenden, und ich mahne, den Zeigefinger flach zu halten, denn noch ist die Krise nicht vorbei, und ich erinnere mich an Anders Tegnell, der zu Beginn der Pandemie voraussagte, dass, wenn der Impfstoff länger auf sich warten lässt, alle Länder etwa gleich viele Infizierte haben werden. Allerdings zu unterschiedlichen Kosten und mit unterschiedlich vielen Todesopfern. Die Anhänger Trumps jedenfalls sagen in Umfragen, sie seien gerade auch mit seiner Corona-Politik einverstanden. Hüstel.

Und da in Amerika eben alles eine Nummer größer ist, ist eben auch die Spannung im Falle einer knappen Wahl größer. Keine Ahnung, wie das weitergeht, aber es geht mich auch eher wenig an, weil es ja Sache der Amerikaner ist. Ich rege mich auch nicht über die Entscheidung der US-Bürger auf, weil es grundsätzlich nicht lohnt, sich über jene Entscheidungen anderer Leute aufzuregen, auf die man selber gar keinen Einfluss hat.

Jene, die nun empört eine Abkehr von USA fordern, sollten aber bitte ihre Lieblingsalternative dazusagen: China? Russland? Ich bin für mehr EU, auch wenn’s um Verteidigung geht, was natürlich bedeutet, dass unsere Verteidigungsausgaben noch stärker steigen müssten als innerhalb der NATO eh – aber das wäre es mir wert. Die meisten Deutschen neigen zur Ansicht, man käme blockfrei, als gemütliche Großschweiz mit „ausgewogenen“ Beziehungen zu Russland, USA, China mit besserem Gewissen und billiger weg. Das glaube ich allerdings nicht. Am allerrealistischsten ist, dass wir an der Seite der USA bleiben und endlich die zugesagten 2 % zahlen. Habe ich nie kapiert, warum wir das nicht tun. Es muss Geheimgründe geben, die man nicht an Wähler wie mich kommunizieren mag.

So, genug Stammtisch am Morgen (guter Sendungstitel). Ich übe mich in Geduld. Vielleicht macht‘s ja Biden, und Trump ist ruckzuck vergessen (ich glaube nicht an sowas wie „Bürgerkrieg“. Die wollen nur spielen).

Zurück ins Halb-Fiktionale. Für den Hobby-Anekdoten-Fundus schrieb ich: „In Manhattan sahen Roberto und ich auf der Strasse eine Frau, die sich gegen die sengende Sonne einen Hut aus Zeitungspapier gebastelt hatte. Das besondere: Mit Tesafilm und Paketschnur hatte sie einen Kinnriemen gebastelt, so dass dem Hut auch kräftige Böen nichts anhaben konnten. Gute Idee! Wir ahmten sie auf der Stelle nach, kauften uns stilecht eine New York Times, Paketschnur, Tesafilm, und optimierten die Kopfbedeckung, indem wir das Papier nach dem Falten mit durchsichtiger Klebefolie wetterfest machten. Zufrieden liefen wir mit unseren Hüten den Broadway hinab und überlegten, ob das „Hobby“- Imperium neben Musik und Brot nicht auch Hüte feilbieten sollte. In unserem Bekanntenkreis kannten wir jemand, der jemanden kannte, der angeblich in Oer-Erkenschwik die Besitzerin einer Hutfabrik kennt, die sich auf Brautschau befindet. Roberto und losten aus, wer die Dame anschreiben sollte, um die Möglichkeit einer Kooperation zu eruieren. Ich verlor, spürte die Dame bei Facebook auf und veeabredete mich bald darauf zu einem Date. Über Hüte haben wir dann aber gar nicht viel gesprochen. Bzw: Ich versuchte ihr einen gemeinsame Firma mit dem Titel Hobby-Hut schmackhaft zu machen, während sie jedoch versuchte, mich in ihrer Prunkvilla zu verführen. Ich glaube, dass sie mich mit KO-Tropfen gefügig gemacht hat, kann dies aber nicht beweisen. Jedenfalls war ich ohnmächtig oder hatte einen Filmriss oder beides, und als ich in ihrem Bett erwachte, war ich entkleidet – bis auf den Hut-Prototyp auf meinem Kopf. Im Nebenzimmer hörte ich die Dame telefonieren, sie befragte offenbar ihr Management nach den Möglichkeiten, Papierhüte industriell herzustellen und verfügte den Ankauf einiger Waldparzellen sowie einer papierfabrik in Finnland. Ich zog leise meine Sachen an und flüchtete über den Balkon. Habe von der Dame nie wieder etwas gehört.“

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2 Antworten

  1. Hallo Wigald,
    Na das ist mir ja eine Hut- Story! Da glaube ich fast jedes Wort.😂
    Und in Amerika sind ja auch die Hüte größer geworden. Durch gewisse Einwanderer…Und weil das einem Donald nicht gefällt, fing er an, eine Mauer zu errichten. Und die ist wieder groß, größer…
    Er wird sie doch hoffentlich nicht weiterbauen dürfen. Oder doch! Aber in einer anderen Funktion. Als Bau- Soldat,…oder wie auch immer man Büßer nennen mag….
    Dass Du als Hut- Designer nicht abschließend nominiert würdest, ist jammerschade. Ich hatte Dich glatt der Gubener Hutmode Firma empfohlen. Diese fertigt sogar für die Queen Lisbeth und den sonstigen Hochadel Hüte aller Couleur und: in jeder Größe!!

  2. Moin Wigald ☺️

    Die US- Wahlen betrachte ich derzeit nur noch mit Staunen 😮 Und mit Fassungslosigkeit was Trump derzeit abzieht, um ihm Amt zu bleiben. Natürlich ist es schon merkwürdig, erst so, dann so, aber da wird die Zerrissenheit des amerikanischen Volkes deutlich.
    Man darf weiter gespannt sein.
    Dank Dir habe ich nun einen Ohrwurm 😂🙈
    Mein Hut ,der hat 3 Ecken, 3 Ecken hat mein Hut…🎶Passend dazu fallen mir die 3 grunzenden Schweine ein. Aus Kein Pardon! Mit Hape Kerkeling.
    Mein Vati hat 3 grunzende Schweine, eins schwarz,eins weiss und eins ohne Beine…🎶

    Wünsche dir und Teresa noch einen schönen Tag 💐

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