Wigalds Tagebuch

Ein Satz mit drei eigentlich

Auf dem Weg zum „Masked Singer“-Studio passierten wir jeden Tag Hürth. Da habe ich auch mal gewohnt, in der Frongasse 1 in Efferen. Ein „spanisch eingerichtetes“ Apartment, womit gemeint war: Terracotta-Fliesen und weiße Schleiflack-Möbel schwedischer Provinienz. Ich habe die dortige Zeit (erste Staffel RTL-Samstag Nacht) in trüber Erinnerung, auch, weil ich damals ein größeres Zahnproblem beklagen durfte und längere Zeit klobige Provisorien trug. Das Gefühl, grob behauene, übergroße Plastikklötze zu beherbergen, unter denen die Reste minderwertiger, mit analogem Käse belegter Pizzen ungestört vor sich hinfaulten, tauchte diese Epoche in eine sumpfgasgeschwängerte, dämmrige Wolkenwand. Ich besaß ein erstes D-Netz-Telefon der Telekom, und wenn ich telefonieren wollte, suchte ich einen speziellen Platz unter einer Hochspannungsleitung auf, wegen des besseren Empfangs. Einmal besuchte ich eine öffentliche Sauna, hinterm „Haus Schlesien“, oder wie das hieß, irgendwas deutsches. Ich schrieb auch damals jeden Morgen ausführlich Tagebuch, notierte vornehmlich Träume, bis zu jenem Tag, als Olli und ich „Mief“ schrieben. War tatsächlich der letzte Eintrag vor einer längeren Pause.

Als ich auszog, unterstützte mich Olli mit seinem Mini. Meine Habe brachte ich in zwei blauen Müllsäcken zum Auto, und als ein Sack riss und sich sein Inhalt auf den Gehsteig ergoss, wunk ich ab und sagte: Lass liegen. Dann stiegen wir ein und fuhren davon.

Ein Gang durch Oldenburg. Maskenpflicht innerhalb des Wallrings. Ich komme mit einem rüstigen Mittachtziger ins Gespräch. „Seit Anfang der 50er habe ich noch nie eine Wahl verpasst. Ich werde in Zukunft nicht wählen. Habe keine Lust, den Politikern auch noch dabei zu helfen, mich zu verarschen. Es muss doch möglich sein, sich hier wenigstens für ein Bier in die Kneipe zu setzen! Die Busse sind ja auch voll!“

China entwickelt derweil vier der zehn Impfstoffe, die sich der Marktreife nähern. Mit hunderttausenden Chinesen wird getestet, die Testberichte zensiert. Ziel: Marktführer in der „dritten Welt“ werden, und damit die armen Staaten sich die Plörre leisten können, bietet Peking auch gleich die passenden Kredite an. Gefickt eingeschädelt, wie wir damals in Hürth gesagt hätten.

Viertes Grünkohlessen der jungen Saison (der eigentlich für den gesamten Winter gekaufte Vorrat in Einmachgläsern, der eigentlich auf der Hütte deponiert werden sollte, ist eigentlich aufgebraucht). Bei Mutter schmeckt’s am besten. Nachmittags kommt das Geburtstagskind mit Theo und Teresa aus Minga.

Mittlerweile habe ich fast so etwas ähnliches wie ein schlechtes Gewissen, dass ich bei „Masked Singer“ so ausgiebig singen durfte, meiner Frau aber bis auf weiteres alle Auftrittsmöglichkeiten verwehrt bleiben.

In Schwarzafrika ist das Virus offenbar verschwunden, heisst es bei Maybritt Illner. Man vermutet, dass dies mit Vitamin D im Zusammenhang stehe, also Sonnenexposition. Ob man alle hierzulande abgesagten Konzerte in den Kongo verlegen sollte?

Share on facebook
Share on twitter
Share on email
Share on skype
Share on whatsapp
Share on xing

Eine Antwort

  1. Moin Wigald ☺️
    Vielleicht sollte man generell eine vorübergehende Auswanderung in den Kongo erwägen. Oder Russland. Das habe ich Dir ja neulich schon erzählt anhand des gesehenen Fussballspiels. Zuschauer, keine Maske, kein Abstand…auch da gibt es kein Virus. Jetzt haste übrigens nostalgische Erinnungen geweckt. Ich besaß seinerzeit ein Klotz von Nokia und hatte das D2 Netz. Muss Arcor gewesen sein. Schön lange her. Aber dat war war, da warste stolz drauf😂🙈 Und einen Ohrwurm habe ich jetzt. Die Doofen. Mief. Und ich höre auch im Geiste,ich schließe meine und höre “ Günter Strack“ Warum die Orange orange ist, weiss ich noch nicht. Oder Pilze im Fahrstuhlschacht wachsen. Habe ich lange drüber nachgedacht, aber mir ist bislang nichts eingefallen. 🙈“ Gefickt eingeschädelt haste das, lieber Wigald 😂🙈

    Wünsche dir und Teresa noch einen schönen Tag 💐

    P.s. : Da deine Mama eine begnadete Köchin ist, ist mittlerweile nachgewiesen. Seinerzeit hast du uns ja mit Rezepten auf Facebook eine Kostprobe gegeben. Die Thunfisch-Hollandaise Sosse deiner Mama ist bei uns mittlerweile fest integriert und wird von allen geliebt hier!😋 Ich habe sie nun schon oft kochen müssen. Sie schmeckt auch super zu Käsetortellini. Nochmals danke für dieses Rezept. Würde mich auch sehr über weitere Rezepte deiner Mama freuen 😊

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Die Putzpoeten