Wigalds Tagebuch

Latrinos und andere Elementarteilchen

Bus 311 hält, ich Theo auf‘m Arm. Teresa und Mathilda steigen hinten ein, ich vorne, wegen Ticketkauf. Leicht gestresst, Reisetag. Nanu, warum geht die Tür nicht auf? Fahrer guckt ausdruckslos nach vorne. Ich klopfe an die Scheibe, nichts passiert. Noch ein Versuch. Hinten einsteigen? Ich setze zum Spurt an, da blickt der Fahrer zu mir, weist pantomimisch auf die Maske hin. Ich nestele einhändig an meiner Katzenmaske. Tür geht auf, Fahrer begrüßt mich angesäuert mit „Das sollte man nach einem halben Jahr doch gelernt haben!“ Ich, ganz jovial: „Nein, an manchen Tagen habe ich’s immer noch nicht begriffen“. Er, weiterhin sauer: „Jetzt binden sie das Ding erstmal richtig fest!“ Hä? Ich binde immer nur die oberen Senkel fest und lasse die unteren locker fallen, denke jedoch, dass dies nicht der Moment ist, ihm meine Trageweise zu erläutern. Einhändig kann ich sowieo gar nichts binden, und so lege ich die unteren Schnüre locker über die Schulter. Er fixiert mich streng und beendet die peinliche Situation mit der Frage, wo’s denn hingehe.

Im Zug nach München wiederum besetzen wir das Kleinkind-Abteil, und die Scheiben sind von Milchglas-Schlieren durchsetzt, so dass ich die Maske umso häufiger baumeln lasse. Teresa schickt mich zum Kauf eines Kindermenüs, der mir jedoch verwehrt wird, weil ich kein Kind an der Hand mitführe. Da könne ja jeder kommen. Interessant erscheint mir der Unterschied zwischen Teresa und mir: Sie beklagt die raue Irrnis der Gesellschaft, ich meine eigene Unzulänglichkeit.

Auf dem Nachhauseweg absentiere ich mich sporthalber, jogge mit grossem Rucksack und habe unterwegs plötzlich ein dringendes Bedürfnis. Zum zweiten Mal in dieser Woche suche ich mir eine urbane Ruderalflur und kacke im Schutz der Dunkelheit zwischen die Hollerbüsche, ganz ohne schlechtes Gewissen. Kneipen zu, öffentliche Toiletten auch. Was willste machen? Im Gegenteil, wäre noch eine interessante Methode, sich auszudrücken (sic): Nur noch draußen anhäufeln, scheiss auf diese Zeit. Und ansonsten gilt: Parole Schweigefuchs. Deutschland hält zwei Wochen lang konsequent die Klappe, und alles wird gut.

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4 Antworten

  1. Statt Schweigefuchs oder totalem Shutdown wäre ich für zweimonatige Astronautenhelmpflicht. Danach hätten wir wieder Oberwasser und könnten bis nächstes Jahr Frühjahr ganz normal weitermachen, bis dann endlich der Impfstoff verfügbar ist. Nein, mal ehrlich, mir wäre so eine radikale Umstellung für ein paar Wochen lieber, als dieses andauernde Rumgekleckere „Ein paar Maßnahmen hier, ein paar Maßnahmen da…jetzt können wir ein bisschen lockern…jetzt haben wir zu viel gelockert…“
    Es muss doch ’ne spaßige Methode geben, die alle mit ins Boot holt, sodass wir endlich mal wieder auf grüne Zahlen kommen. Heute wird die Merkel sowieso die Maßnahmen verschärfen, aber das wird die ganzen Querdenker so sauer machen, dass sie sich wieder alle versammeln und gegenseitig anstecken. Die armen Polizisten dürfen nicht mal was dagegen tun, wegen Demonstrationsrecht und so. Gestern im Fernsehen den Beitrag mit dem 11-jährigen Mädchen gesehen, das auf die Bühne geschoben wurde und sich in seiner Rede mit Anne Frank verglichen hat. Sowas muss man doch verbieten! Das Kind kann nichts dafür, aber die Eltern, die ihr so eine Scheiße eintrichtern!

  2. Klappe halten: das haben wir heute auch schon diskutiert. Der nächste Schritt wäre dann: die Luft anhalten…
    Dir und Deiner Familie einen guten Start in die Woche und zuversichtlich bleiben!

  3. Moin Wigald ☺️

    Sowas ähnliches habe ich auch schon mehrmals erleben dürfen. Da rutscht der Schnutlappen nur auf die Nasenspitze, und schon wirste angebaggert, das du ja die Maske gefälligst richtig anziehen sollst. Der Schweigefuchs wäre da wirklich Klasse. Dann würde sich auch das Maskenproblem bezüglich des richtigen Aufsetzen lösen. Aber “ Mutti“ will ja sowieso einen “ Winterknigge“ einführen. Demnach sollen Bürger auch bei allerkleinsten Erkältungszeichen Zuhause bleiben. Eine Krankschreibung soll auch telefonisch problemlos möglich sein. Der Schweigefuchs dazu, wär doch super. Sollte man „Mutti“ vorschlagen.

    Wünsche dir und Teresa einen schönen Tag 💐

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