Wigalds Tagebuch

Hey Bro, willkommen im Klub!

Bayern ist wohl das Land, das am offensivsten auf Beherbergungsverbote setzt. Warum jedoch bayerische Risikogebiete von diesen Restriktionen ausgenommen sind, weiß wahrscheinlich nur der liebe Gott bzw Markus Söder. Ein Sprecher des Landesgesundheitsministeriums erläuterte, dass die Behörden bei Gebieten innerhalb Bayerns die Lage viel besser einschätzen und gegebenenfalls andere Maßnahmen ergreifen könnten.

Mein bescheidener Eindruck: Diese Erläuterung ist improvisiert. Welche „anderen Maßnahmen“ sollten denn da getroffen werden?

Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, hält Reisen für eine „Pseudo-Gefahr“, und Beherbergungsverbote „fast für groben Unfug“. Wir hatten das Thema ja schon in größerem Rahmen während des Lockdowns, als Grenzen geschlossen waren – eine Maßnahme, die bei einigermaßen homogen verteiltem Infektionsgeschehen von den allermeisten Epidemiologen abgelehnt wurde. In diesem Fall scheint der Rat der Wissenschaft, sonst bekanntlich in unserer Ära skrosankt, keine Rolle zu spielen. Ich sage „scheint“, weil ich natürlich nicht weiß, was Söder et tutti quanti bewegt – außer der Wille, als harter Seuchenverhinderer wahrgenommen zu werden. Seine tatsächliche Bilanz ist womöglich magerer als der donnerhallende Ruf, der ihm von Meinungsumfragen immer wieder bescheinigt wird.

Am Nachmittag lese ich, dass sogar Karl Lauterbach die Beherbergungsverbote einen „Fehler“ nennt. Wer hätte das gedacht? Bin gespannt, ob Atilla Hiltmann den SPD-Mann jetzt auch als „Bro” im Klub der Kritiker begrüßt.

Ich bin derweil ins Risikogebiet Tirol gereist, mitten in der Nacht, und spaziere vom Wanderparkplatz aus zur Hütte. Ab 1500 m schneit es, ein fettes Sorbet umschlabbert mich bis zur Wade, und mitunter reicht der Stirnlampenlichtkegel nicht, um mich zu orientieren, etwa bei der Durchwatung des breiten Baches unterhalb Franz‘ alter Skitourenroute. Ich stehe im Wasser und rätselte schneeflockenumwirbelt, in welche Richtung ich den nächsten Schritt setzen muss. Als ich oben ankomme, bin ich hühnersuppennass und die Dämmerung hat noch nicht mal begonnen.

Wie leise es hier ist! Der frische Schnee schluckt auch die letzten Restklänge. Ich lege mich ins Bett und horche fasziniert ins Nichts. Am Nachmittag gehe ich erneut vor die Tür, mache die Hütte winterfest und wandere talwärts, auf Pilzsuche. Ich stoße auf interessante Arten, etwa den rehbraunen Dachpilz oder den Jodoform-Täubling, habe aber kein Bedürfnis, irgendetwas in den Korb zu legen, nicht zuletzt deshalb, weil ich gar keinen Korb dabei habe.

Auf der anderen Bachseite sehe ich auch den Berghang wieder, an dem Teresa und ich im Frühjahr aus Versehen in das Fest einiger Waldarbeiter geraten waren. Drei Dutzend Teilnehmer an Bierbänken auf einer abgelegen Lichtung, eine klassische Corona-Party, mitten im österreichischen Lockdown. Spontan hatte man uns auf eine Hoibe eingeladen, wahrscheinlich aus Angst, dass wir paragrafenreitenden Piefkes sonst die Polizei rufen könnten. Wir lehnten damals dankend ab („Termindruck“).

Und in Erinnerung an diese spannende Begegnung genehmige ich mir vorm Zubettgehen einen Schnaps, um anschließend umso betörter das Ohr ans blanke All zu legen.

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5 Antworten

  1. Moin! Ich denke schon, dass der Impfstoff der entscheidende Schritt ist, weil man als Politiker dann sagen kann: „So, wir haben getan, was wir können, ab sofort kann sich wieder jeder selber um seine Gesundheit kümmern“.
    An einen Lockdown glaube ich eher nicht, ganz einfach, weil wir ihn uns nicht leisten können. Das Geld ist alle.

    1. Ja, deshalb verstehe ich ja auch nicht, warum man es medial ausschlachtet, das die Pandemie mit dem Impfstoff nicht beendet sei. Gegen Grippe gibt es auch einen Impfstoff und die Grippe ist ja auch nicht ausgerottet. Und die Grippe ist ja auch nicht ungefährlich. Gleiches gilt ja für Noroviren etc. Oder ich als Krankenschwester habe gelernt, vor MRSA Respekt zu haben. Der löst ebenfalls lebensgefährliche Krankenkheiten aus und den kannst du dir ebenso wie Corona sogarbeim Griff vom Einkaufswagen holen. Aber was will man erreichen, wenn man sagt, ja die Pandemie ist nicht vorbei, selbst wenn der Impfstoff da ist? Wie gesagt, Grippe ist auch nicht ausgrottet, trotz Impfstoff. Ich habe mittlerweile wirklich manchmal Schwierigkeiten, zuviele Menschen, zuviele Meinungen, mein Erlerntes als Krankenschwester, meine Lebenserfahrung. Sagte ich ja auch bereits schon, die wieder steigenden Zahlen. Wir haben Grippezeit, ist für die Jahreszeit ganz normal. Ebenso wie damals, als der erste Lockdown war. Und da möchte ich dir ganz kurz eine Begebenheit erzählen, warum ich streckenweise auch sage, ich verstehe nicht, warum man nun seitens der Medien die steigenden Zahlen wieder ausschlachtet, zumal sich diese Begebenheit auch damals in der Grippezeit ereignet hat. Und es eigentlich dieses Virus schon länger gegebn muss, und man in den letzten Jahren, wenn man agressive Grippewellen beklagt hat, nur gesagthat, ist eben Grippe und dieses Kind hatte eben keinen Namen.

      Anfang dieses Jahres löste mein Töchterlein, welches großen Wert darauf legt, da wir die Altvorderen ja eh aus der Steinzeit stammen und keinen „PLan haben“ ihr Weihnachtsgeld ein um sich ein neues Smartphone zuzulegen. Der älteste musste ebenfalls nächstelang googlen, um möglichst das beste zu bekommen, ohne gleich Unsummen zu bezahlen. Über Real, die auch einen Shop mit Händlern haben, wurde man fündig.

      Ein Ulefone aus China mit der Lieferzeit von 4 Wochen.

      Zu diesem Zeitpunkt war Corona noch nicht populär. Darf man das so sagen? Ich bestellte, weil ich auch längt etwas brauchte, eins mit.

      Und jetzt komisch, ca 2 Wochen nach dem wir die Handys hatten, später bekamen wir Grippe, aber mit einer Heftigkeit, die wir nicht kannten. Auch die Dauer war ungewöhnlich. Ebensfalls hatten wir Husten mit einer nie genannten Atemnot, ich konnte mich nicht daran erinnern, jemals selbst im Liegen nach Luft zu ringen, oder nachts nach Luft ringend aufzuwachen. Und das hatten wir alle!

      Corona nur peu a peu in den Medien. Mein Arzt ssagte auch nur, Grippe, Bronchitis, Antibiotikum. Angesprochen auf Corona, nee, ist kein Corona. Und ich glaube bis heute entgegen anderer Meinungen, wir haben die Seuche gehabt. Aber es gibt ja auch besonders heftige Verläufe und nun ja, ich habe Rheuma und meine Tochter hat aufgrund ihrer schweren Allergie ein vermindertes Immunsystem. Mein Mann über 50.

      Was denn nun ? Grippe mit schwerem Verlauf wie bei vielen anderen auch wegen der Gegebenheiten, oder doch Corona? Hatte das Kind in den vergangenen Jahren nur keinen Namen? Weil ja jetzt die Zahlen wie es üblich ist zu dieser Zeit wie damals bei dem 1. Lockdown, nun wieder so sprunghaft ansteigen? Nur das es nie jemanden gestört hat.

      Ich sehe es wie du, wir können uns keinen weiteren Lockdown leisten, wir haben kein Geld und ich möchte das auch garnicht. Aber ich befürchte es, das es wieder dazu kommt. Peu a peu schärfere Massnahmen, jeden Tag neue Meldungen explodierenden Zahlen, auch unser Kreis, wo ich wohne, Kreis Recklinghausen und die Stadt Recklinghausen sind zum Risikogebiet und zum Hotspot erklärt worden. Deshalb ich verstehe nicht, warum man nun seitens der Medien ausschlachtet, der Impfstoff rotte die Pandemie nicht aus, bei Grippe hat er es auch nicht getan. Was will man uns nun verkaufen? Manchmal weiß ich nicht, was ich denken soll, ich kann daher gut verstehen, wenn selbst bei den Verantwortlichen schon Zweifel an den Massnahmen wie Beherbergungsverbot kommen. Und siehst ja, trotz Hygiene und Maskenpflicht, es ist Grippezeit und die Zahlen gehen nach oben. Am besten für alle eine einsame Insel, aber soviele gibt es ja leider nicht, wobei ich gegen eine einsame Insel garnichts einzuwenden hätte. Kann sehr schön sein.

      Wünsche dir und Teresa weiterhin einen schönen Tag, und bleibt gesund.

  2. Moin Wigald ☺️ was die Massnahmen angeht, so gehe ich sowieso davon aus, das es auf kurz oder lang zu einem 2. Lockdown kommt. Da ja die Zahlen so rasant ansteigen. Was mich nur hierbei nur irritiert, ist , das es Corina dann ja schon viel länger geben muss. Denn wir haben Herbst und somit Erkältungszeit bzw. Grippezeit, bloss das in der Vergangenheit das Coronavirus nicht bekannt war und niemand somit getestet werden könnte. Es ist für die jetzige Jahreszeit normal, das die Leute krank sind. Frühling gehört auch noch dazu. Sommergrippe gibt es auch, ist aber seltener. Die Jahreszeiten wo jetzt auch wieder die Zahlen so hoch sind, sind in der Regel Grippezeit. Hat aber bislang niemanden interessiert. Weder gab’s dann Lockdown oder Massnahmen. Wenn daher ja dann schon kritische Stimmen, vielleicht auch endlich, gibt an den Maßnahmen, kann ich es durchaus verstehen. Teilweise weiss ich eh nicht, was man uns nicht alles verkaufen will. Denn neulich habe ich gelesen, das ein Impfstoff die Pandemie ja sowieso nicht beendet, wie erst angenommen. Bleibt also abzuwarten.
    Wünsche dir und Teresa einen schönen Tag 💐

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