Wigalds Tagebuch

Hat da beim Nachbarn nicht eben jemand gelacht?

Ein Tag mit multipler Persönlichkeit. Teresa ganz düster. Dies sei das erste Mal in ihrem Leben, dass sie nicht singen dürfe, könne, zuvor sei das eine Selbstverständlichkeit gewesen. Es gibt da so einen erhellenden Film, wie sie im Kindergarten einem perplexen Mädchen auf offener Bühne das Mikro entreißt und hinein singt. So langsam, nachdem auch die allerletzten Termine gefallen sind (Bückeburg!) wird meiner geliebten Gattin das Ausmaß der Zäsur klar – zumal ihr Versuch, noch einen Fuerteventura-Urlaub zu buchen, fehlschlägt und somit kein emotionales Schlupfloch bietet. So gut wie alle Flüge sind annulliert. Kanzleramtsminister Helge Brauns Ankündigung, dass Künstler 75% des Novemberumsatzes 2019 als Hilfe beantragen könne, stößt nur auf ihre ausladende Wegwerfgeste (0€ Einnahmen wg Mathildas Geburt). Allerdings gelingt es Helge Schneider mit einem „persönlichen Brief“ an Olaf Scholz, geschrieben auf seiner Schreibmaschine, via Twitter eine Ergänzung auszuhandeln: „..oder der Durchschnittsmonatsverdienst des Jahres 2019“. Helge macht Gesetze – die Krise treibt mitunter die schillernsten Blüten. Gut gemacht, Helge! Auslöser des Vorbebens im Künstlerlager (Stärke 2 auf der Richterskala) war eine Videobotschaft Till Brönners, dem ein angenehm gepflegter, aber deutlicher Furor zugrunde lag. Heute hatten viele Entertainer ihre Profilbilder in den Netzwerken durch rote Flächen ersetzt, sogar Tommy Krappweis.

Dauerregen ohne Licht, aber ich bin heiter. Was soll man auch sonst empfinden, wenn am Tag nach all den wichtigen Entscheidungen über diese im Parlament diskutiert wird? In einer parlamentarischen Demokratie gehört die Debatte vor die Entscheidung, nicht dahinter. Ach, Binsenweisheiten, und wer diese ausspricht, wird bisweilen der Nähe zur AfD bezichtigt. Und während ich dies schreibe, schwappt mir die Magensäure hinauf; fort mit den grüngiftigen Gedanken, zurück zur sanften Heiterkeit.

Söder setzt bei der Durchsetzung des Lockdowns auf die Nachbarn. Sie sollen die Polizei rufen, wenn nebenan verdächtige Geräusche zu vernehmen sind. Qua Hochzeit bin ich ja auch Bayer, aber im Affekt nicht so sicher, ob die bayerische Staatsbürgerschaft tatsächlich eine Bereicherung meines Lebens ist. Unter staatlich geförderten Denunzianten mag ich nicht sein. Psst! Hinweg, ihr anthrazitenen Hirnwolken; I wui Heiterkeit, zefix!

Wenn wir uns jetzt alle ordentlich benehmen, dürfen wir zur Belohnung Weihnachten feiern. Herrgott, was haben die plötzlich alle mit ihrer Weihnacht? Für mich ist es das wichtigste Fest, das Fest der Familie, und das werden wir so oder so feiern, nach unseren Vorstellungen, ohne verdächtige Geräusche. Eigentlich würde meine stille, heilige Nacht wunderbar in einen Lockdown passen, und kurz darauf gibt es einen Tag, für den ich mir einen Lockdown nachgerade wünschen würde, nämlich Silvester. Keine Raketen, keine Besuffskis, die mir ihre alkoholisierten Aerosole entgegen gröhlen: Eine angenehme Vision – für mich hätte ein stiller Jahreswechsel Belohnungspotential.

Australien und Israel werden nunmehr als Vorbilder genannt: In Melbourne endet der (sehr harte) Shutdown erst diesen Mittwoch, nachdem nur noch eine Infektion pro 1 mio Einwohner verzeichnet werden konnte, und in Israel waren Schulschliessungen für das Abebben der zweiten Welle entscheidend, nachdem deren Öffnungen sie erst ausgelöst zu haben scheinen.

Bleibt einstweilen die Hoffnung, dass 1. die Bevölkerung ähnlich beflissen mitzieht wie beim ersten Lockdown und 2. sich das Virus hiervon auch tatsächlich beeindrucken lässt. So ganz trau ich dem Braten nämlich nicht.

Share on facebook
Share on twitter
Share on email
Share on skype
Share on whatsapp
Share on xing

8 Antworten

  1. Helge hat gar nichts ausgehandelt, es war vornherein festgelegt, daß alternativ der Durchschnittsverdienst von 2019 herangezogen wird. Kann man z. B. in einem Beitrag von Grit Maroske auf Facebook nachlesen. 🤷‍♀️

  2. Süchterscheid ist doch ein kleines Dorf in Hennef, wenn ich mich nicht irre? Ist auch schön da. Ist sowieso ganz lustig mit den ganzen Dörfern da. Es gibt bei Eitorf ein Ort, der hat ein Einwohner, ist aber ein Ort. Unkelmühle. Krieg schon wieder Heimweh. Wird Zeit das ich bald was habe da. Am liebsten natürlich Windeck.

    Wünsche dir einen schönen Abend 💐

  3. Moin Wigald,

    Genau auch diese Zustände, das wieder auf Denunzi nation gebaut wird, haben mich dazu bewogen, am Samstag, hier bei uns in Recklinghausen an einer kleinen Demo bzw. Kundgebung teilzunehmen. Unter anderem geht es auch hier um die jetzigen Massnahmen, die hier Existenzen vernichten, um diese Massnahmen die ohne Sinn und Verstand sind. ich hatte dir ja gestern schon geschrieben, das ich es absolut nicht nachvollziehen kann, das man hier Existenzen vernichtet, die überhaupt nicht zu den hauptinfektionsträgern gehören und in den letzten Monaten hart gearbeitet haben, um die Hygienevorschriften umzusetzen. Ih sehe hier unter anderem die Kinder, die dem Virus wahllos ausgesetzt sind, in Klassen mit Masken frieren müssen. Die dort Reihe an Reihe sitzen und sich morgens und Mittags in überfüllte Schulbusse quetschen müssen. Und das Schulen und auch Kindergärten zu den Hauptinfektionsquellen zählen, ist ja nachgewiesen. Schulen und Kindergärten waren schon immer Brutstätten für alles mögliche. Es ist erstaunlich, welche Mitbringesel Kinder mit heimbringen und das mit schöner Regelmässigkeit. So geht es mir seit 20 Jahren.Man gewöhnt sich daran, das man mindestens 2 ,mal im jahr, eine schöne Grippe hat und Magen-Darm. Stattdessen erklärt man Kultur, Gastronomie zu den Sündenböcken der Nation verbunden damit die angeblich feierwütige Spaßgesellschaft., dreht ihnen die Luft zum Atmen ab u nd erklärt dies zum reinen Privatvergnügen. Braucht keiner, nicht systemrelvant mit dem Tenor der seit Jahren neoliberalen Politik, selbst schuld, hättest vorsorgen können. Private Vorsorge, wer es sich eben leisten kann. Das Credo der neoliberalen, dessen Boden bereits schon einst ein junger Guido Westerwelle bereitet hat, der es muss in den 90igern gewesen sein, ans Rednerpult trat und betonte: Wir brauchen einen schlanken Staat. Private Vorsorge, spraen, den Staat nach und nach abbauen. dann kam Gerhard Schröder und Aus die Maus. Hartz 4, Dumpimglöhne usw. und seit dem wird die Schere immer weiter. Die Reichen immer reicher( Lidl, Amomazon usw. die den kleinen Einzelhandel bereits schon nahezu ausgerottet haben usw. die Armen immer ärmer. Aber ich schweife aus. Dann sind es die Brüche des Grundgesetzes, das grundgesetz wird mal eben so mir nichts dirnichts gebrochen, dem Virus angepasst und damit sich ja kaum einer wehren kann, wird mal eben der Notstand ausgerufen, damit Gerichte kaum eine Chance haben.
    Hinzu kommen die Denunzinationen. Wir blicken hier mal in die deutsche Geschichte. Hatten wir alles mal. Und dagenen muss man sich wehren.
    Deshalb gehe ich zu dieser Demo. Und hiermit befassen sich diese Leute, die diese Demo verantstalten.
    Selbstverständlich rechne ich damit, wieder in die rechte Ecke gdrückt zu werden. Ist ja neue Mode. Nachdenken ist rechts. Alles schlucken und brav hirnlos der Regierung wie ein blindes Schaf folgen ist nicht rechts.
    Bin aber mal gespannt, ob sich da nicht auch bald was tut. Mein Ältester hatte neulich dazu auch schon eine Diskussion im Fernsehen gesehen. War es ZDF? Ich muss ihn noch fragen. Aber da ging es genau DARUM. Das man nämlich in Deutschland damit eine Ausheblung der Meinungsfreiheit bezwecke. Das das schlicht und ergreifend nicht mehr in Ordnung sei. Ich muss meinen Sohn mal fragen, welche Sendung das war. ich war da leider nicht da. Aber wir sprachen dann beim Abendbrot darüber und waren uns alle einig, das diese Dislkussion notwendig ist in Deutschland. Das es so nicht sein sein kann. Hat man eine andere Meinung ist man gleich rechts, Verschwörungstheoretiker, Coronaleugner usw. War ja mit Greta Thungberg schon so. Wer nicht in Gretas Horn tutete, war gleich rechts. Geht garnicht.
    Neuerdings sind Impfgegner insbesondere der Coronaimpfung gleich AFD Wähler. Eine Frechheit ist das.
    Ich bin weder AFDWähler, Coronaleugner oder sonstwas, nur weil ich nicht alles brav schlucke, was mir die Reierung vorgibt und in einigen Sachen eine andere Meinung habe. Aber auch da sind wir wieder in der deutschen Geschichte!
    Was Sylvester angeht, da bin ich komplett bei dir, ich schätze weder das haltlose Betrinken, noch das Knallen. ich konnte schon damals meine Nachbarn nicht verstehen, ich habe nämlich damals da gewohnt, die Wec0 Fabrik ist in Eitorf, das sind 10 km von Windeck entfernt( da habe ich gewohnt) die sogar mit Klappstuhl und Klapptischchen, warmen Decken, Glühwein und Tee und sogar mit Einmalgrill nach Weco gefahren sind und sich mit Glühwein, Tee und Würstchen die Nacht um die Ohren bei Weco geschlagen haben, bloß um die Werkspakete zu ergattern.
    Meine Nachbarn haben daher immer für 100 geknallt. Furchtbar. Ich hab fürs knallen garnichts übrig. ich hasse auch diese I****die schon tage vor oder noch Tage nach Sylvester knallen.
    Zum Schluss möchte ich dich bitten, ganz besonders gut auf eine liebe Frau zu achten. Ich kann sie sehr gut verstehen. Und da ich auch als Fachfrau weiß, wie schnell so etwas umschlagen kann, wenn etwas zu sehr aufs Gemüt schlägt, es macht mir Sorgen! Pass gut auf Teresa auf, richte ihr liebe Grüße von mir aus, ich kann nur hoffen, das es bald besser wird!

    Wünsche euch beiden trotz allem einen schönen Tag!
    So,

  4. Gut gemacht, Helge!
    Ja, so ein stilles Silvester – das hätte was.
    Würde unsere Katzen&Töle auch freuen.
    Aber soweit geht’s wohl dann doch nicht.
    Obwohl der Werksverkauf bei Weco, wo die Leuts über Nacht anstehen, um Überraschungspakete zu ergattern, schon abgesagt ist. Gibt ja noch die Discounter 😕
    Das Virus braten 🤔 auch eine Idee, aber selbst der heiße Sommer hat das ja nur partiell geschafft😢
    Haltet durch und bleibt gesund!

    1. Moin Bine,

      Wie ich oben schon schrieb, gegen ein stilles Sylvester hätte ich auch nichts. ich hasse diese elende S*****bis zum Koma, dieses ganze Geknalle. Würde auch meine Hunde und meine Katze freuen. In der Nähe von Weco habe ich sogar gewohnt. Weco ist in Eitorf, 10 km von meiner Heimat Windeck entfernt. Meine Nachbarn sind immer mit Klappmöbeln, Decke, Glühwein, Tee und Einmalgrill losgezogen. Und Decken. Um die nacht bei Weco zu verbringen, um diese Werkspakete zu ergattern. Ich musste damals immer schmunzeln und schmunzel heute noch, wenn ich dran denke. Vor allem wenn es wieder soweit ist. Dann denke ich immer, jetzt ziehen sie wieder los…

      Wünsche Dir einen schönen Tag

      1. Danke Dir auch🍀
        Ich wohne 19km oberhalb in die andere Richtung in Süchterscheid und je nach Jahreszeit und Wetter können wir schon mal (selten) Versuchsfeuerwerke hören oder sehen 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Die Putzpoeten live