Wigalds Tagebuch

Erst kommt das Vogelfutter, dann die Moral

Cyprian hat mich zu einem „Megamarsch“ eingeladen, im Mai, 100 km von München nach Mittenwald. Ich bin Mitglied des Teams „Turboschnecken“ und angenehm stolz, dass mein lieber Sohn mich bei der Sause dabeihaben mag. Wir werden runde 24h unterwegs sein, ganz gemütlich, und dieser Angeber-Spaziergang dürfte ein sportlicher Höhepunkt des nächsten Jahres werden. Einstweilen bin ich als Streakläufer unterwegs. 75. Tag, 714 km, und die Sache macht immer mehr Spaß.

Leander ist aus Amberg gekommen, verzieht sich aber bald ins Spielzimmer, um dort eine Online-Einführungsveranstaltung für Erstsemestler durchzuführen. Er hat mir ein Buch zum Lesen mitgebracht, das ihn begeistert hat: „Bowies Bücher“ von John O‘Connell. Eine Sammlung jener Bücher, die mutmaßlich das Leben des tollkühnen Troubadours verändert haben.

Ein Vorteil an Kindern, die man liebt: Sie lassen aus Prinzip nur einen optimistischen Blick auf die Welt zu, und je mehr Kinder, desto radikaler der Optimismus.

Bei München TV erklärt ein Ornithologe, wie man aus einer Milchtüte und einigen wenigen sonstigen Utensilien ein Futterhäuschen für Piepmätze baut. Ganz wichtig: Hygiene! Es sei „genau wie bei Corona: Nur soviel füttern, dass abends alles aufgefuttert ist“. Hach, Corona bietet täglich Überraschungen. Mein Problem ist ja bisher, dass abends alles aufgefuttert ist, egal, wieviel sich im Futterhaus befindet.

Die älteren Herren mit Ambitionen für das weiße Haus müssen sich weiter gedulden, während in meiner Twitter-Timeline unablässig über die Kaputtheit Amerikas gejammert wird. Ich stand erst kürzlich an einem Gedenkstein in jener Gegend, in der mein Onkel Andreas fiel, beim Schanzen am Boden (eigentlich war er Pilot, aber es gab 1944 keinen Sprit mehr). Und im Zuge dieses Ausflugs beschäftigte ich mich mal wieder mit den Opferzahlen der USA im zweiten Weltkrieg. Ardennenoffensive: 20.000. Schlacht im Hürtgenwald: 60.000. Mag ja sein, dass Amerika „kaputt“ ist, aber ausgerechnet als Deutscher sehe ich mich ausserstande, den Amerikanern Vorträge über Moral zu halten.

Zur Wohnsituation: Wir versuchen bis Ende Januar, unser Reihenhaus in Herrsching zu verkaufen, um vom Erlös ein für uns kommodes Haus zu erwerben, und wenn wir keinen Käufer finden, dann ziehen wir selber ein, auch wenn‘s uns zu klein ist. Kreditaufnehmen mag ich ähnlich ungern wie Amerikanern moralische Vorträge halten.

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5 Antworten

  1. Ich drück die Daumen für das Häuschen, für die Söhne braucht‘s des ja nimmer, die sind schon fein geraten.
    Das Schneefoto mit S(chirms)tock&Hut steht Dir gut, aktuell?
    Wenn immer alles leer gefuttert ist hat‘s entweder zu gut gschmackt oder war zu wenig. Beim streaken verbrauchst Du vielleicht was mehr 🤔 und der Winterspeck will auch erst mal wachsen😉

    1. Moin Bine☺️

      Zum Vogelfutter fällt mir nur ein, das es nur gut geschmeckt haben kann. Bei meinen Hunden ist das auch so. Egal was man reinpackt und wie viel, es ist immer dort, Nachschlag insbesondere vom Menschentisch, gerne gesehen.

      Wünsche dir noch einen schönen Tag 💐

      1. Unser Hund hat auch IMMER Platz und leider auch ab+zu Glück, daß die Küchentür auf ist (wo NoGoArea ist, weil da das Katzenfutter steht😉).
        Schönen Tag zurück, muß jetzt Schaffen, HomeOfficeTag 110.

  2. Moin Wigald ☺️

    „Megamarsch“ 100 km. Das lasse ich auf mich wirken, 😂🙈Gott, was bin ich doch unsportlich 😂🙈
    Kinder sind sehr optimistisch. Und der ist sehr unerschütterlich. Mama und Papa schaffen das, irgendwie. Merke ich an meinen auch immer wieder. Für den Verkauf drücke ich Dir die Daumen. Obwohl ich an deiner Stelle es selber nehmen würde. Ich habe Mal Bilder geschaut, sieht doch schön aus da. Bist zu beneiden. Ich würde es sofort nehmen, kann aber leider nicht kaufen. Nur mieten. Und Platz ist in der kleinsten Hütte. Hab ich mich zumindest dran gewöhnt. Wir sind 7 nebst 2 Hunden und 1 Katze, da bin ich allerlei Kompromisse gewöhnt. Und wer weiß, wo du dann landest.

    Wünsche dir und Teresa noch einen schönen Tag 💐

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