Wigalds Tagebuch

„Corona lässt ihre Haut altern!“

Fips Asmussen ist tot, aber Karl Lauterbach macht unermüdlich weiter. „10 Jahre Gehirnalterung“ sei eine mögliche Folge einer Infektion. Nun ja; dafür brauche ich allerdings kein Corona, das kriegt mein Hirn auch so hin, einfach indem es bräsig vor sich hin verwittert. Macht Corona eigentlich impotent? Lässt es die Haut altern? Letzteres ist der wirksamste Warnspruch auf Zigarettenschachteln – vielleicht sollte man die Haut der Erkrankten mal genauer unter die Lupe nehmen! Mit dem endgültigen Ableben kann man die Leute heuzutage nicht mehr ins Bockshorn jagen – dazu werden im Fernsehen zu viele Wiederholungen gezeigt, und das Internet vergisst bekanntlich nichts – insofern ist der Tod auch nicht mehr das, was er mal war. Aber Hautalterung, das zöge!

Draußen sind Menschen: Ein Mütterchen mit Hund, ein Opa mit Schiebermütze, 200m entfernt. Sie zeichnen sich wie schwarze Schattenrisse vorm Himmel ab, der heute einen verwaschen Hausmeisterkittel trägt. Ich überlege, ob ich den alten Leuten winken soll, biege aber lieber links ab und pflücke ein paar kaffeebraune Gabeltrichterlinge aus einem verwilderten Gemüsegarten, die ich zum Frühstück gebraten aufs Brot lege.

Amerikanische Schaufenster werden verrammelt; die Wahl steht vor der Tür, und Unruhen werden befürchtet, egal, wie die Sache ausgeht. In Deutschland braucht man für Zoff nicht einmal eine Wahl: Hunderte Frankfurter Jugendliche greifen in der Nacht Polizisten an; worum’s geht, weiß die Tagesschau nicht zu präzisieren.

Der bevorstehende „Lockdown Light“ kostet, so las ich, 19,8 Milliarden, sofern er auf einen Monat beschränkt bleibt, und dabei zeichnet sich ab, dass nur ein Aufschub erworben wird, ein „Reset“, wie eine Wissenschaftlerin bei Anne Will es nennt. Gelöst werden kann das Problem so nicht. Da erinnere ich mich, dass wir im Frühjahr gelegentlich seufzten: „Ohne das schöne Wetter wäre so etwas gar nicht machbar. Die Leute würden verzweifeln!“ Nun denn; die Tage sind rau und dunkel, eine Perspektive, zB ein Impfstoff, ist nicht einmal in Umrissen zu erkennen. Teresa kann sich immerhin auf den 25.11. freuen, dann singt sie im Rahmen eines Festgottesdienstes in Kaufbeuren zur Heiligsprechung der Creszentia Händel, Bach und Mozart. Hoffentlich freut sie sich nicht zu früh! Wenn die Zahlen bis dahin nicht besser werden, könnte nachjustiert werden, zumal natürlich völlig unklar ist, warum Konzerte verboten, Gottesdienste aber erlaubt sind.

Ja, der November ist ein Charaktertest, auch deshalb, weil man Disziplin waren muss, ohne die Sinnhaftigkeit nachvollziehen zu können. Ein mittlerweile steinaltes Interview mit Anders Tegnell kommt mir in den Sinn, in dem er die schwedische Strategie erklärte: „Wir können nur Maßnahmen ergreifen, die sich bis zur Einführung eines Impfstoffes durchhalten lassen!“ – und so geschehen die (lokalen) Lockdowns dort auf freiwilliger Basis. Und nun bin ich froh, mich nicht mehr bei Facebook herumzutreiben, denn sonst wäre jetzt wieder in den Kommentaren der Teufel los.

Heute ist Allerseelen, und in Gedanken besuche ich sie alle: Andreas, Oskar, Georg, Tante Elsbeth, Onkel Helmut, Onkel Willy, und von Oma Gerda lasse ich mich auf einen gedeckten Apfelkuchen mit Rosinen einladen, sinke in ihr grünes Sofa und genieße den prägnanten Duft der Wohnung am kleinen Esch (ein Straßenname, der von uns Kindern nur allzu gern um einen Vokal geändert wurde).

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5 Antworten

  1. Ach Herr Boning,
    wie herrlich erfrischend, Ihre Gedanken zu lesen, logisch, menschlich und trotz der ernsten Lage immer mit einer Prise Humor und Freude am Geschichten-erzählen.
    Auch ich mache mir seit Anfang der Maßnahmen im März die größeren Sorgen um die „Kollateralschäden“, die unschuldigen Leidtragenden, Soloselbständigen, Kulturschaffenden, Freizeitanbieter, Gastronomen, Beherbergungsbetriebe…
    Selbst in meiner eigenen Familie, bei meinen klugen Töchtern und meinem Mann, fühle ich mich wie jemand, der im 2. Weltkrieg vom britischen Rundfunk über den echten Frontverlauf informiert wurde und dem niemand glaubt. Auch bei mir leiden alte Freundschaften unter dem völlig konträren Umgang mit der unseligen Situation.
    Von daher mein großer Dank für Ihre Worte und mein Wunsch auch für Sie, dass sich später Ihre Freunde wieder einfinden, wenn wir in einigen Jahren alle klüger sind, was das angeht, was gerade passiert.
    Herzliche Grüße, Susanne

  2. So, jetzt bin ich wieder da, und habe etwas Luft.
    Ja, was sol ich sagen? ich hoffe sehr, das Teresa sich nicht zu früh freut. Gerade in der jetzigen Zeit. ich habe bereits Berichte gelesen, das das ganze noch bis zum Frühjahr so gehen kann. Ich weiß echt nicht mehr, was das soll.
    ich bin echt schlichtweg fassungslos. Hatte auch gestern Berichte gelesen, das angeblich fast gesundheitlicher Notstand herschen soll und einen Bericht auf heise und auch hier in der berliner zeitung zu finden, der sich kritisch damit auseinadersetzt. Charite Epidemiloge Stefan Willich hält den Lockdown für völlig überzogen. Und setzt sich mit den Zahlen etc. kritisch auseinander. Recht hat er!

    https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/charite-infektiologe-corona-lockdown-ist-ueberzogen-li.114966

    Welches Recht beansprucht also Drosten, der zwar einen Lehrstuhl an der Charite hat, das er als absoluter Gott gehuldigt wird? Das die leute es einfach nur schlucken, was drosten ihnen vorkaut, egal wie widersinnig das auch ist? Diese leute unter anderem, wo du zu Recht sagst, dich zum Teufel jagen würden auf Facebook zum Beispiel, mit deinen Aussagen oder deiner Kritik an dem Lockdown oder den Massnahmen?
    Ich gebe mir größte Mühe, aber es will immer noch nicht in mein Hirn rein. Künstler, Gastromen, die seit Monaten hart arbeiten, um die Hygienvorgaben zu erfüllen, schuld. Als dankeschön, mach zu, brauchen wir nicht. Maske? Hygieneregeln ?Bringt nichts! Und da wo es eigentlich kesselt, in den Schulen, in den Schulbussen( wurde auch nachgewiesen), Maske, Hygieneregeln? Super! Hilft!
    Martinszüge, Vereinsport usw. Maske? Hygieneregeln bringt nichts! Bundesliga? Zwar ohne Zuschauer, aber Maske, Hygieneregeln? Super! Hilft! Auch beim Trainingsbetrieb. Beim Trainigsbetrieb der Kinder? Und der Spiele? Maske? Hygieneregeln ?Bringt nichts! Obwohl hier viel weniger Publikum herrscht als bei den Geisterspielen der Bundesliga. Erlebe ich zumindestens so.
    Kommen wir zu Teresa. Teresa darf nicht singen. Aber Kirchen dürfen offen bleiben. Gläubige, Maske, Hygieneregeln. Wird auch gesungen, der Pastor spricht und singt auch zum Teil Lithurgie. Das ist also wieder okay. Teresa die in der Kirche singen würde nicht. Wo macht es nun den Unterschied? Wenn Teresa nun auch singt? Erkläre mir die Logik. Es will sich mir nicht erschliessen. Vielleicht bin ich zu einfach. Aber meine Hirnwindungen weigern sich, die Logik insbesondere eines Herrn Drosten zu begreifen.Und noch weniger begreife ich es, das man, wenn man diese Logik eines Herrn Drosten hinterfragt, gleich ein Aluhutträger ist oder sonst etwas. Kannst du das vielleicht besser erklären?Deine von mir geschätzte Meinung würde mich dazu interessieren.

    Wünsche Dir weiterhin einen schönen Tag

  3. Guten Morgen (fast schon „Mahlzeit“) Herr Boning,
    ich bin froh, dass Sie hier weiterschreiben – da man nicht mehr, wie auf Facebook, morgens mit der Nase auf den neuen Eintrag gestossen wird, lese ich manche Einträge etwas verspätet, aber mmer gründlich und mit großer Freude. Ich habe es bereits einmal auf Facebook kund getan: als Autor hatte ich Sie kaum auf dem Schirm – mittlerweile verfügt meine Hausbibliothek auch über einige BoBü´s (Boning-Bücher).
    Vielen Dank für Ihre differenzierten Betrachtungen zum omnipräsenten Thema des Jahres mit allem, was links und rechts davon auftaucht (z.B. Schwammerl) – definitiv immer ein Highlight des Tages.

    Mein Umfeld und ich sind (glücklicherweise) weder beruflich noch gesundheitlich betroffen – weiterhin genug Aufträge, Land-Eier mit viel Platz ums Haus und ohne Denunziantentum in der Nachbarschaft, aufgrund geringer Einwohnerdichte auch eine geringe Deppen-Dichte… – aber trotzdem merke ich, wie mich die täglichen Negativ-Meldungen schlauchen und ich mich häufig wie „einmal frisch ausgewürgt“ fühle. Da mag ich mir gar nicht vorstellen, wie es Menschen geht, die tatsächlich betroffen sind – und nicht wie ich auf der Insel der Glückseligen schwimmen und „nur“ mit anderen mitfühlt.

    In dem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihrer Gattin alles Gute – auf dass das Konzert Ende November stattfindet und die Politik irgendwann-ganz-bald kapiert (ggf. mit „Überzeugung“ durch die Rechtsprechung), dass Kultur und Gaumenschmaus (auch eine Form der Kultur) durchaus zum Menschsein gehören und die „Gefährdung“ in sicherer Umgebung, wie (kleinere) Veranstaltungshäuser und Restaurants, mehr als überschaubar ist.

    Viele Grüße aus dem Dachauer Outback,
    Bianca

  4. Guten Morgen Wigald,
    Apfelkuchen gedeckt, mit Rosinen. Am Asch…Wie wenig braucht es, sich zu freuen, zu erinnern.so im November..dem Schmuddelmonat… Heute soll es warm werden..aber es nieselt erst einmal in Brandenburg.Man dröppelt so in den Tag hinein und überlegt, was man am besten tut, um sich aufzuheitern , positive Energie zu entwickeln.Ich nehme Mal eine Lichtdusche..so mit 10.000 oder gar 15.000 Lux. Das soll helfen…Auf alle Fälle ist dieser Strahler hell. Man sieht den Staub und die Spinnweben . Auch draußen kann ich viele eilende Eltern und Kinder beobachten, habe Blick auf eine Kita…
    Dass Du Dir zum Frühstück frische Pilze aufs Brot legst, find ich klasse. Wobei ich diese Sorte nicht kennen. Aber ich fahre heute Mal mit dem Rad zu der Stelle, wo vorgestern einige Riesenschirmpilze noch geschlossenen Gutes stolz auf der Wiese standen. Sehr dunkel anzusehen…Ob die nun heut offen und hell am Hut sein werden? Oder bereits von anderen Sammlern geerntet? Egal. Ich radeln hin… Bewegung ist gut und Frischluft erst recht.
    Da kann ich auch für mich allein singen. Chor ist ja seit März nicht mehr …wo ich mir so eine teure Chormappe kaufte…und nur einmal benutzte..
    Schön, dass Deine Teresa hoffentlich in der Kirche singen darf. Das wird schon wieder werden….
    Es gibt ja genügend Ablenkung .Außer Corona ist ja die Wahl im First great Amerika, die , wie auch immer sie ausgehen wird, einiges an Unruhen, bürgerkriegsähnlichen Zuständen bringen wird. Eine unangenehme politische Situation.
    Da lese ich lieber ,von Insidern verlautbart, dass Queen Lisbeth am 21. April, also zu ihrem 95. Geburtstag das Zepter, die Krone und den Reichsapfel?! an Charles Langohr abgeben wollen.
    Ich wünsche Dir und den Deinigen einen schönen Tag…denkt an was schönes…außer Apfelkuchen….gibt es auch Blätterteig mit Apfel und Rosinen..geht schnell, schmeckt lecker.

  5. Moin Wigald ☺️

    Ich schreibe später nochmal. Muss gleich weg, hatte meinen Kommentar fertig und wieder Mal keine Netzverbindung.😠

    Bis später und einen schönen Tag dir und Teresa 💐

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