Wigalds Tagebuch

„Um Himmels Willen – nicht essen!“

Auf Pilzsuche. Einen Schopftintling finde ich, dessen Haupt immer etwas bewusst auf struppig getrimmt ausschaut, dazu edelgrau wie George Clooney, wenn er einen Hippie-Professor spielt. Soll ein exzellenter Speisepilz sein. Ich lasse ihn aber stehen, nehme dafür eine Tüte mit Beutelstäublingen mit, die ich meine, mit vollständiger Sicherheit identifizieren zu können. Vorsichtshalber schicke ich noch ein Foto zu einer Pilzexpertin im Bekanntenkreis. Auf dem Rückweg komme ich noch an einigen schönen Anis-Trichterlingen vorbei. Optisch könnte ich sie unmöglich erkennen, aber ihr Geruch verrät sie. Soll aufdringlich süß und nach Anis schmecken, lese ich. Naja; passt vielleicht nicht zum Abendbrot.

Meine Bekannte meldet sich nicht mehr, und ich habe Hunger. Also waschen, kleinschnibbeln und braten. Pfeffer und Salz – wat schall’s. Lecker! Eine Stunde nach dem Verzehr meldet sich die Expertin. Um Himmels Willen nicht essen, fleht sie, bei jungen Exemplaren bestehe Verwechslungsgefahr mit Knollenblätterpilzen. Ich bin zwar enorm sicher, tatsächlich Beutelstäublinge verzehrt zu haben, aber dennoch liest man solche Nachrichten von Fachleuten nach der Mahlzeit ungerne. Verkrampft in mich hineinhorchend, sehe ich eine der beiden Folgen „München Mord“, an denen mein Sohn Leander im Team mitwirkte. Es geht um ein Tötungsdelikt unter Sechz’ger-Fans. 1860 München ist ein Verein, dem ich durch Constantin Entertainment sehr verbunden bin. „Genial Daneben“, „Clever“, „Hitgiganten“ – Wahrscheinlich haben wir inzwischen 1860 Shows gemeinsam gestemmt, und als „Roter“ (also Bayern-Fan) dürfte man in dieser Firma nicht einmal einen Fuß auf die Schwelle setzen. Zu Beginn des Lockdowns gab‘s bei SAT1 die „Comedy-Konferenz“, und das Studio war mit Pyramiden aus Klopapierrollen dekoriert – dem Hauptpreis. Das Klopapier war rot, was Otto Steiner, dem Produzenten, nicht gefiel. Die Rollen wurde ausgetauscht.

6:18 Uhr: Überlebt. Die Beutelstäublinge waren wohl wirklich Beutelstäublinge, aber die Expertin hat recht: Ich war unvorsichtig. Kann noch nicht mal sagen, was mich in Sachen Pilzen antreibt. Vielleicht der dringende Wunsch, mittels Waldspaziergängen meine Familie ernähren zu können (im weiteren Sinne: Klopapiersyndrom). Oder ist dies meine Reaktion auf Merkels TV-Appell, in dem sie zur Vorsicht mahnt? Oder einfach kulinarische Neugier? Ärgere mich jetzt schon, dass ich Schopftintling und Anis-Trichterlinge nicht auch probiert habe.

Ein Mann legt im Edeka einige Flaschen Alkoholika aufs Band, meine Frau macht große Augen. Er: „Nicht, was sie denken – ich bin lediglich Alkoholiker“.

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7 Antworten

  1. Was das Pilze sammeln angeht – ich glaube, wir sind im tiefsten Innern immer noch Jäger und Sammler… Das ist nicht raus zu kriegen. Ich gehe auch immer wieder gerne Pilze sammeln. Und das selbst ersammelte (und später erputzte) Mahl macht jedes Jahr wieder stolz. Mache ich im übrigen am liebsten zu zweit. alleine macht das nämlich keinen großen Spaß. Aber ‚um die Wette sammeln‘ und später gemeinschaftlich putzen, das schon.

  2. Hallo Wigald,
    Ich lese erst jetzt, rückwärts datierend, Dein Tagebuch . Sag Mal, hast Du keine “ normalen“ Pilze gefunden? So Marönchen oder Butterpilze? Bei den genannten würde ich auch sehr zögerlich die Gabel zum Mund führen….In jedem Fall sind Pilze ein wunderbares Gericht. Kalorienarm, eiweißreich und schmackhaft
    Sogar kostenlos der Natur zu entnehmen mit Füll inclusivem Rahmenprogramm in Form von Waldbaden. Unter Deinen Fans gibt es mindestens eine weitere Pilz- Expertin. Könnte ich zur Zweitmeinung empfehlen…zumindest, wie im geschilderten Not-Fall ( Hunger).

  3. Guten Morgen Wigald ☺️ hier bei uns in der Klinik ist auf der Terrasse auch eine Pilzwiese mit verschiedenen Pilzen. Wahrscheinlich wenn die Patienten, die Mutigen, abends Hunger haben, können sie dann in die Patientenküche und sich ein Leckerchen zubereiten. 😮😂🙈Ich trau mich das nicht. Gut das du es überlebt hast, aber mach das nicht wieder, es kann gutgehen, aber irgendwann? Name, Male ich mir nicht aus.🙈

    Wünsche dir und Teresa noch einen schönen Sonntag 💐

  4. Hätte ich Leander den sehen können😳🤔
    Oder wirkte er hinter den Kulissen bzw. der Kamera? Geguckt hab ich ja auch, als definitiv in der Beziehung total unRote. Er war doch wohl nicht der mehrmals 10€ einsteckende Totennachsteller😂?
    Pilze liebe ich auch 🍄, aber im Gegensatz zu meinem Pa trau ich mich nicht zu sammeln. Und ihm hab ich zuletzt auch nicht mehr so richtig getraut und die letzten beiden Gläser getrocknete Schwammerln nach seinem Tod entsorgt😢 Gut, daß das bei Dir gut gegangen ist🍀

    1. Nein, Leander war hinter der Kamera in diversen Funktionen. Praxissemester seines Medientechnik- und -produktionsstudiums.
      Schönen Sonntag Dir!

      1. Bestimmt interessante Geschichte, Danke, Euch auch!
        (PS: diesmal hat sich das Teil hier die Daten gemerkt, scheint bei weiterer Antwort zum selben Teil zu klappen 🤔 was man ja aber eher seltener tut 😳😂)

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